Diese Seite geht bald. In ein paar Monaten läuft die Domain aus, und ich verlängere sie nicht. Bevor das passiert, will ich den letzten Text hier ablegen. Nicht aus Wehmut. Eher, weil ein Ort, an dem man etwas ausprobiert hat, einen ordentlichen Abschied verdient.
Angefangen hat es mit Superhelden. Am 28. April 2023 feierte mein erster Artikel hier Projektleiter:innen als die stillen Held:innen der Arbeitswelt. Die Anerkennung war ehrlich gemeint. Ich kenne diese Menschen, die rackern und sich plagen, damit ein Projekt gelingt, und deren Einsatz im Hintergrund niemand sieht. Der Text kam aus einer klaren Haltung, an die ich vierzig Jahre lang geglaubt habe und die damals stimmte: Wer die Methoden beherrscht, seine Rolle kennt, genug Erfahrung und Kommunikationsfähigkeit mitbringt, der ist ein guter Projektmanager.
Gut zwei Jahre später, am 4. August 2025, schrieb ich einen anderen Text. Er begann mit einem Satz, der mir bis heute gehört: Ich spüre ein leichtes Unbehagen in der Magengegend. Es ging um KI im Projektcoaching, eigentlich aber um die Frage, ob es mich überhaupt noch braucht. Zwei Jahre, und der Ton war ein anderer geworden. Nicht weil ich mehr wusste. Weil ich beim Schreiben nichts mehr beweisen wollte.
Was diese Seite mich gelehrt hat, ist nicht, wie man einen Blog gewinnbringend betreibt, obwohl der erste Plan genau das war. Sie war mein Übungsplatz. Hier habe ich ausprobiert, hier habe ich aus einer alten Rolle geschrieben und gemerkt, dass sie nicht mehr passt, hier habe ich aufgehört, aus der Rolle zu schreiben. Das ist viel wert für einen Ort, den ich jetzt gehen lasse.
Und sie hat mir zum Schluss noch eine Tür geöffnet. Beim Wiederlesen des ersten Textes ist mir ein Gedanke gekommen. Die Methoden zu beherrschen, im Schlaf, im richtigen Moment ohne Nachschlagen, das war jahrzehntelang der Vorsprung. Diese Sicherheit kam aus Wiederholung, aus Jahren des Tuns. Sie war der Beweis von Erfahrung. Heute wendet KI jede Methode sofort souverän an, ohne diese Jahre. Damit erreicht die reine Methodenbeherrschung einen Plafond. Was den Menschen auszeichnet, ist nicht mehr, dass er die Methode kann. Es ist das, was darüber hinausgeht.
Dieser Gedanke ist zu weit für einen Abschied. Ich nehme ihn mit. Er wird dort weiterwachsen, wo ich jetzt schreibe: auf siegfriedallmer.com.
